Der Friedhof

Geschichte des Israelitischen Friedhofes Bamberg


Der Friedhof in seiner heutigen Form besteht seit 1851. 


Vor dieser Zeit gab es außerhalb des Sandtores, hinter der Sandstr. 29, einen kleinen Friedhof, genauer gesagt bis 1478, denn da wurde die Bamberger Judenheit aus der Stadt vertrieben. Nach der Wiederansiedlung im 16. Jahrhundert durch den Fürstbischof erlaubten die Behörden keinen jüdischen Friedhof in der Nähe der Stadt. Die Toten mußten in Zeckendorf bei Scheßlitz begraben werden, wo damals mehr Juden lebten als in Bamberg. Im 17. Jahrhundert errichtete die kleine Bamberger Gemeinde mit vier Landgemeinden zusammen einen Friedhof in Walsdorf. Der Weg dorthin war beschwerlich, besonders bei schlechtem Wetter. Er führte über den Kaulberg, der damals schon sehr steil war (heute ja auch) und mit Pferdekutschen war der Weg gleich noch beschwerlicher. Meistens ging die Trauergemeinde nur bis zum Kaulberg mit, den restlichen (längeren) Weg fuhr das Kutschwerk alleine.


Am 19.10.1851 wurde der neue Israelitische Friedhof in Bamberg nach über 400 Jahren wiedergegründet. Maßgeblichen Einfluss hatte D. Jakob Dessauer, der ab 1841 Vorsitzender der Gemeinde war. Auf sein Bestreben hin wurde der Friedhof nun in der Siechenstr. 102 eingerichtet. Die Taharahhalle wurde 1890 fertiggestellt, in etwa demselben Stil wie die Synagoge von 1910 in der Herzog-Max-Straße. 


In der Zeit des Naziterrors wurde die Taharahhalle von 1943-45 als Lagerraum für eine Fabrik genutzt, was sie vor dem Abriss bewahrte und den Friedhof vor der Schändung. 


Heute stehen Halle und Friedhof unter Denkmalschutz. Es gibt einige Probleme: Viele der Sandsteine sind durch Verwitterung stark angegriffen. Durch die Senkung des Wasserspiegels und den Schwemmsandboden sinken die Grabfundamente, das führt zum Brechen und Umfallen der Sandsteindenkmäler. Oftmals fehlen, besonders im älteren Teil, die Fundamente der Grabsteine, so sinken sie ein oder zerbrechen. Durch aufwendige Sanierungsarbeiten in den 1980er Jahren konnten die Grabsteine des historischen Teils gesichert werden. Leider gibt es in diesem Teil auch kaum noch Angehörige, die sich der Grabpflege annehmen, nur wenige lassen ihre Gräber durch Herrn Trager, den Friedhofswärter, pflegen. 


In der Taharahhalle kann man an der Wand, an der die Kanzel steht, eine große Tafel mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs sehen. Zwischen 1914 und 1918 kämpften über 9700 jüdische Bürger des bayerischen Heeres freiwillig an der Front. Davon fielen ungefähr 800, 76 wurden vermisst und 208 starben an den Kriegsfolgen. Nur wenige der im Ersten Weltkrieg Gefallenen sind hier in Bamberg begraben. 


Einige Familiennamen findet man auf beiden Tafeln: der für die Gefallenen des Krieges und - an der gegenüberliegenden Wand - jener für die Opfer des Nationalsozialismus. Diejenigen, die den Ersten Weltkrieg überlebten, konnten nicht wissen, dass sie, die ehemaligen Frontkämpfer, Opfer des Naziterrors werden würden. Die Tafeln wurden in England auf Initiative von Herrn Dr. Herbert Loebl, einem letzten Nachkommen alter Bamberger Juden vor dem Krieg, hergestellt. Die Kanzel, die in der 4. Synagoge seit dem Umbau 1853 bis 1910 stand, wurde vor ca. 15 Jahren restauriert. 


Anhand einiger Gräber kann man sehen, welchen Patriotismus diese Bamberger Bürger hegten, so deutsch sein zu dürfen wie die anderen Bürger auch, nach über 400 Jahren Bedrückung! Man sieht militärisches Gepräge, wie Schwert, Schild und Helm. Jüdische Kriegsteilnehmer erhielten auch hohe Auszeichnungen, so z.B. den Bayerischen Militär-Verdienstorden mit Schwertern. Von 187 Inhabern des Bayerischen Militär-Sanitätsordens waren zwei jüdische Bamberger: Dr. Paul Dessauer und Dr. Michael Wassermann. 


Weiter unten können Sie einen virtuellen Rundgang über den Israelitischen Friedhof Bamberg machen. Wenn Sie Fragen hierzu haben, wenden Sie sich gerne an Herrn Martin Arieh Rudolph.