Nazi-Diktatur und Nachkriegszeit

Die Nazi-Diktatur nahm schon früh die Stadt Bamberg ein. Schon im Mai 1933 wurde der Rechtsreferendar Willy Aron, den die Nazis hassten, nach Dachau verschleppt und dort nach zwei Tagen bestialisch ermordet. Mit Lorenz Zahneisen hatte Bamberg einen Bürgermeister, der in vorauseilendem Gehorsam seiner Nazi-Partei gegen jeden wütete, der gegen den Nationalsozialismus war. Wer von der Israelitischen Kultusgemeinde die Zeichen der Zeit erkannte, wanderte aus. Bis zum jähen Ende am 17.6.43 existierte in Bamberg die größte und wohlhabendste oberfränkische Jüdische Gemeinde. 


Die 5. Synagoge wurde am 9.11.38 von SA und SS angezündet sowie Anfang 1939 gesprengt. Die Abbruchkosten wurden der Israelitischen Kultusgemeinde auferlegt. Willy Lessing, der allseits bekannte und prominente Kommerzienrat aus Bamberg, dessen Wohnhaus schräg gegenüber von unserem heutigen Gemeindehaus lag, versuchte am 9. November 1938 aus der brennenden Synagoge wenigsten die Torahrollen zu retten. Er wurde von SA-Männern niedergeschlagen und bewußtlos getreten, anschließend drangen sie in sein Haus ein, und zündeten dort Möbel an. Dann zerrten sie den Schwerverletzten erneut auf die Straße und schlugen auf ihn ein. Sie zwangen ihn, sich selbst zu beschimpfen. Erst als er sich nicht mehr regte, ließen sie von ihm ab. Willy Lessing schleppte sich dann schwerverletzt in sein Haus zurück. Er starb Anfang 1939 an seinen schweren Verletzungen und an gebrochenem Herzen. 


Die jüdischen Bürger wurden zunehmend entrechtet, vertrieben oder ermordet, ihre Habe geraubt, die Juden bis 1943 in den Gasthof "Weiße Taube" als Ghetto gepfercht (übrigens in der jüdischen Geschichte Bambergs so ziemlich das einzige wirkliche Ghetto). Ab 1943 wurden dann die verbliebenen 271 Juden in Bamberg nach Auschwitz oder Theresienstadt verschleppt und bis auf zwei spätere Rückkehrer dort ermordet.


Das "Gedenkbuch der jüdischen Bürger Bambergs", welches über die Webseite der Universität Bamberg als pdf einsehbar ist, listet alle verbliebenen jüdischen Bürger Bambergs auf, die deportiert und ermordet wurden: Gedenkbuch der Jüdischen Bürger Bambergs (Danke für den Tipp an Kiki Laaser)


Nach dem Krieg und dem Zusammenbruch des NS-Staates erstand die Jüdische Gemeinde wieder. Bamberg hatte ein großes Displaced Persons Lager, in dem zeitweise bis zu 2500 Personen lebten. Jüdisches Leben etablierte sich rasch. Die IKG Bamberg wurde am 2.8.1951 in einer kleinen Wohnung an der Promenade (über der heutigen Gaststätte "Tambosi") wiedergegründet. Sie bestand aus zwei ehemaligen Bambergern, Frau Bernet und Herr Kersten, die anderen waren Überlebende der Konzentrationslager von Auschwitz, Majdanek, Treblinka und den anderen Lagern, die in Bamberg hängenblieben, weil sie zu schwach oder zu krank waren, um weiterzuwandern. Mit Absicht wollte sich eigentlich keiner in Bamberg wieder ansiedeln. Man zählte einen Mitgliederstand von 150 Personen. Nachdem das ehemalige Kontorhaus der Nähseidenfabrik "Kupfer, Mohrenwitz & Hesslein" in der Willy-Lessing-Strasse 7 (ehemalige Sophienstrasse) von den Nachfahren der im KZ Theresienstadt ermordeten Frau Leonie Kupfer der Gemeinde gestiftet wurde (die Nähseidenfabrik bestand dann noch bis etwa dem Ende der 60-er Jahre), wurde im Erdgeschoß zuerst eine Wohnung eingerichtet, in der ein Gemeindemitglied mit seiner Familie wohnte. Zudem entstand ein weiterer Saal, in dem ab 1952 die G´ttesdienste der kleinen Gemeinde stattfanden. 1963 wurde der Betsaal erweitert, nachdem die Wohnung frei wurde. Es enstand ein für die damaligen Verhältnisse großzügiger Gemeindesaal mit Tischen und Bestuhlung, um die Feste angemessen feiern zu können, der Betsaal erhielt ebenfalls eine neue und moderne Bestuhlung und wurde umfassend renoviert. Keiner der damaligen Gemeindemitglieder hätte gedacht, dass dieser Betsaal, der immerhin alleine fast 40 Personen und bei Öffnung des Gemeindesaales fast 100 Personen fasste, einmal zu klein werden würde. Nach dem Umzug in das neue Gemeindezentrum im Juni 2005 wurde das Erdgeschoß des Kontorhauses saniert und vollständig umgebaut. Heute befindet sich an dieser Stelle eine Niederlassung einer Versicherung. Die Einrichtungsgegenstände wurden in die neue Wochentagssynagoge des jetzigen Gemeindezentrums verbracht. An den Betsaal, also die sechste Synagoge der langen jüdischen Geschichte in Bamberg, erinnert heute nichts mehr.